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Allgemeine Informationen

Kulturelle Anpassung und Doppelverdiener
 

Autorin: Minna Neovius, Forscherin, Helsinki School of Economics and Business Administration

Der Prozeß der Anpassung an die Lebens- und Arbeitsbedingungen einer fremden Kultur kann sich als recht schwierig erweisen. Mögliche Meßgrößen für den Eingewöhnungsprozeß sind das Wohlbefinden, die Zufriedenheit und die Bequemlichkeit, die man in einer neuen Kultur empfindet, die Art und Weise, wie man mit alltäglichen Situationen umzugehen weiß und wie effizient man mit den Einwohnern des Gastlandes interagiert und wie stark man integriert ist.

Der Übergang kann durch Unterstützung durch Ihr Unternehmen oder Ihre Organisation, eine angemessene Vorbereitung Ihrerseits und verschiedene andere Faktoren erleichtert werden, die sich von Person zu Person unterscheiden. Ihr Eingewöhnungsprozeß kann auch von Ihren persönlichen Umständen abhängen, davon, ob Sie von Ihrer Familie begleitet werden, ob Sie bereits mit dem Gastland vertraut sind, ob Sie die Landessprache beherrschen, usw. Das Problem der Doppelverdiener in internationaler Verwendung ist in den letzten Jahren mit dem generellen Anstieg von Frauen im Berufsleben immer größer geworden.

Der kulturelle Anpassungsprozeß

Eine erfolgreiche Eingewöhnung in einer neuen Kultur bedeutet nicht, daß man seine eigene Kultur und sein Nationalgefühl aufgeben muß. Im Idealfall lernt man die Kultur und die Gebräuche der Angehörigen des Gastlandes kennen und praktiziert diese zu einem gewissen Maße, während gleichzeitig die eigene Kultur und die eigenen Gebräuche aufrechterhalten werden. Es mag sein, daß Sie sich mit den neu erlernten Verhaltensweisen und Gebräuchen nicht sofort wohl fühlen, und viele Menschen, die im Ausland gearbeitet haben, geben diese Verhaltensweisen wieder auf, nachdem sie in ihr Heimatland zurückgekehrt sind; dennoch stellen sie einen bedeutenden Teil des Integrationsprozesses dar.

Die kulturelle Anpassung kann grob in vier verschiedene Phasen untergliedert werden: die Phasen der Flitterwochen, des Kulturschocks, der Erholung und der Anpassung. In der Phase der Flitterwochen scheint alles neu zu sein und eine Faszination auszuüben, und man fühlt sich fast wie ein Tourist. Nach einiger Zeit, wenn man beginnt, aktiv am Tagesgeschehen im Gastland teilzunehmen, beginnt man, die Unterschiede zwischen dem eigenen Verhalten und der eigenen Kultur und dem
Verhalten und der Kultur der Angehörigen des Gastlandes immer stärker wahrzunehmen. Je nach Person kann dies zu Gefühlen der Angst, der Unsicherheit und der Frustration führen - eine Erfahrung, die im allgemeinen Sprachgebrauch als Kulturschock bezeichnet wird, und die ein integraler und wesentlicher Bestandteil in der Anpassung an die Lebens- und Arbeitsbedingungen in einem neuen Land ist. Vielleicht fühlen Sie sich isoliert oder in der Defensive, stellen Vergleiche zwischen Ihrem Gastland und seinen Menschen und Ihrem eigenen Land an.

Für die meisten Menschen endet der Kulturschock, sobald sie mit der Sprache und der Kultur des Gastlandes besser vertraut sind, in der sogenannten Erholungsphase. Kurze Zeit später ist die Anpassung an das Gastland mehr oder weniger abgeschlossen, und Sie können beginnen, ein normaleres Leben zu führen und die neue Kultur, in der Sie leben und arbeiten, zu genießen.

Wenn auch die meisten Personen die oben angeführten vier Phasen erleben, gibt es kein festgefügtes Muster, nach der die Anpassung verlaufen muß, und die Geschwindigkeit und Leichtigkeit, mit der Sie sich an das Leben und Arbeiten in einer fremden Kultur gewöhnen, hängt auch stark von Ihrer persönlichen Situation ab, zum Beispiel:

  • von Ihrer Position und Funktion innerhalb Ihrer Organisation / Ihres Unternehmens,
  • von der Organisation / das Unternehmen, für die /das Sie arbeiten, und die Unterstützung, die Sie durch diese Organisation / dieses Unternehmen erhalten,
  • davon, ob Sie in eine Gemeinschaft von im Ausland lebenden Landsleuten eingebunden sind
  • von Ihren individuellen Eigenschaften: Ihrer Persönlichkeit, Ihrer Motivation, Ihrer erreichten Position, Ihren Fähigkeiten, Ihrer familiären Situation, Ihren vorherigen Erfahrungen im Ausland, usw.

Der Übergang kann zu einem gewissen Grad durch eine Schulung und Vorbereitung vor der Abreise erleichtert werden, denn dabei bekommen Sie eine bessere Vorstellung von dem, was Sie zu erwarten haben, und eine bessere Möglichkeit, sich auf die Umstände vorzubereiten. Beispiele für eine Vorbereitung:

 

  • Sprachschulung: dies ist ein äußerst wichtiger Schritt bei der Anpassung an die Kultur und an ein neues Leben.
  • Besuch des Gastlandes vor der endgültigen Abreise: ein solcher Besuch gibt Ihnen die Möglichkeit, sich selbst und Ihre Familie mit der neuen Umgebung vertraut zu machen und einige praktische Dinge zu organisieren, wie zum Beispiel die Wohnung und die Schule der Kinder. Häufig werden dabei auf solche Umzüge spezialisierte Agenturen eingesetzt.
  • Kontakt mit Menschen, die bereits als Ausländer in dem Gastland gelebt haben. Einige Gewerkschaften haben Kontaktnetzwerke eingerichtet, in denen Mitglieder im Ausland und Mitglieder, die nach einem Auslandsaufenthalt in die Heimat zurückgekehrt sind, zusammengeschlossen sind. Möglicherweise kann Ihre Organisation / Ihr Unternehmen Ihnen Kontakt zu einem Kollegen verschaffen, der bereits im Ausland gearbeitet hat.
  • Adäquate Information über die Vertragsbedingungen für Ihren Auslandsaufenthalt, das Entschädigungspaket, die Besteuerung, Fragen der Sozialversicherung, Ihre Karriereaussichten und Ihre weitere Entwicklung.
  • Ausbildung im Arbeitskontext.
  • Allgemeine und spezifische Ausbildung in bezug auf die kulturelle Anpassung im allgemeinen und spezifische Aspekte des Gastlandes im besonderen: die Geschichte, die Kultur, das Klima, die demographische Entwicklung, die Wirtschaft, das Bildungssystem, das politische System, die Geschäftsgepflogenheiten und die sozialen Gebräuche.
Doppelverdiener

Mit der ansteigenden Zahl von Frauen, die eine berufliche Karriere verfolgen, gibt es auch immer mehr Paare von Doppelverdienern, bei denen beide Partner in einem Arbeitsverhältnis stehen. Gleichgültig, ob sich der männliche oder der weibliche Partner entscheidet, eine Arbeit in einem anderen Land anzutreten, die Entscheidung, im Ausland zu arbeiten, kann sich für diejenigen, die von ihrer Familie oder ihrem Partner begleitet werden, als sehr kompliziert erweisen.

In einigen Fällen wird der im Ausland arbeitende Partner eventuell nicht von der Familie oder dem Partner begleitet, besonders, wenn die Arbeit im Ausland nur für einen kurzen Zeitraum geplant ist und der Umzug einen zu großen Einschnitt in die Ausbildung der Kinder oder die Karriere des Partners bedeuten würde. Das Unternehmen des im Ausland lebenden Arbeitnehmers sollte in diesem Fall regelmäßige Reisen nach Hause oder Besuche der Familie finanzieren.

Das Widerstreben eines Partners, seine eigenen Karriere- und Einkommensaussichten zurückzustellen, ist heute ein bedeutendes Hindernis, warum viele Paare nicht ins Ausland gehen wollen, und ein Faktor, der immer mehr Beachtung finden sollte. Die Eingewöhnungsprobleme des begleitenden Partners, seien sie nun auf die Beschäftigung beschränkt oder nicht, können eine erhebliche negative Auswirkung auf die Anpassung und die Leistungsfähigkeit des im Ausland arbeitenden Arbeitnehmers sowie sein Engagement haben, auch weiterhin im Ausland zu arbeiten.

Allgemein gesagt ist der Anpassungsprozeß eines begleitenden Partners immer dann recht schwierig und langwierig, wenn dieser Partner keine Beschäftigung in dem neuen Land hat. Das ist hautpsächlich auf mangelnde soziale Kontakte und Netzwerke zurückzuführen, die sich bei der Arbeit und außerhalb entwickeln. Während der arbeitende Partner eine festgefügte Rolle hat und die Anpassung durch die Unterstützung des Unternehmens erleichtert wird, fühlt sich ein Partner, der nicht arbeitet, in dem Gastland häufig isoliert.

Für einen Partner, der an eine eigene Vollzeitbeschäftigung gewöhnt ist, kann die erzwungene Karrierepause eine frustrierende Erfahrung sein. Wenn der begleitende Partner Angehöriger eines EU-Mitgliedstaates ist, hat er die gleichen Arbeitsrechte wie der Partner. Es kann sich jedoch für den begleitenden Partner als schwierig erweisen, in dem Gastland eine Beschäftigung zu finden. Vielleicht gibt es Schwierigkeiten mit der Anerkennung der beruflichen Qualifikationen oder es ergeben sich Schwierigkeiten aufgrund der lokalen Beschäftigungssituation, besonders, wenn es sich nicht um einen EU-Angehörigen handelt. Dies führt zu einem Bruch in der bisherigen beruflichen Laufbahn, und der Partner muß sich eine alternative Beschäftigung suchen, die normalerweise mit einem geringeren Gehalt, einem Verlust in der Rangeinstufung und einer geringeren Arbeitszufriedenheit verbunden ist. Es ergeben sich Nachteile in bezug auf die für die Karriere notwendige berufliche Aus- und Weiterbildung, Einkommensverluste und verringerte Rentenleistungen.

Im folgenden Abschnitt finden Sie einige Maßnahmen, die ein begleitender Partner unternehmen kann, um eine Beschäftigung im Gastland zu finden und/oder nach der Rückkehr in das eigene Land eine Wiedereingliederung in das Berufsleben zu erleichtern. In einigen Fällen kann das Unternehmen des im Ausland arbeitenden Partners helfen:

  • Beurteilung der Karriere- oder Beschäftigungsmöglichkeiten im Gastland vor dem Umzug
  • Berufsberatung, um die im Ausland verbrachte Zeit positiv zu nutzen, selbst wenn dies einen vorübergehenden Karrierewechsel erfordert
  • Einbindung in ehrenamtliche Tätigkeiten
  • Entschädigungsleistung durch das Unternehmen/ die Organisation des im Ausland arbeitenden Partners für die Einkommensverluste und Rentenverluste aufgrund der Unterbrechung der beruflichen Laufbahn
  • Organisatorische und finanzielle Unterstützung des Unternehmens/ der Organisation bei der Weiterbildung oder Umschulung, um den begleitenden Partner für die Unterbrechung der beruflichen Laufbahn zu entschädigen
  • Beschäftigung des begleitenden Partners in der Organisation/ dem Unternehmen des ins Ausland versetzten Partners
  • Zugang zu den Unternehmensdatenbanken zur Abfrage von Stellenangeboten sowie Weiterbildungs- und Umschulungsangeboten
  • Kontaktaufnahme mit von Einstellungsberatern und Arbeitsämtern im Gastland direkt oder über das Internet. Das Unternehmen des im Ausland arbeitenden Partners kann die damit verbundenen Kosten häufig erstatten.

Der begleitende Partner kann sich auch im entsprechenden Kapitel des Handbuches grundlegende Ratschläge zur Beschäftigungssuche in dem betreffenden Gastland suchen.

 

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